So, ich wäre soweit. Mein Gepäck ist im Rucksack verstaut, meine Habseligkeiten für meinen Handrucksack liegen parat und die Packliste ist soweit abgehakt. Ich kann starten. Am liebsten heute, wie morgen. Aber ich fliege erst Überüberübermorgen, also in vier Tagen um genau 15.00 Uhr MEZ ab Frankfurt. Das heißt ich werde hier um zehn vor elf mit der Bahn los müssen, damit ich noch etwas Zeit habe meinen Check In zu finden, mein Gepäck abzugeben und vielleicht noch was zu essen, wenn ich was runter kriege. Dann werde ich mir mal den Flughafen ansehen, denn da kommt man ja nicht alle Tage hin. Und wenn ich schon mal da bin.
Ich hoffe ich vergesse nichts. Ich kenn mich nämlich. Und meine Mom läuft auch immer noch wie eine Wilde durchs Haus, wenn ich abreise, um sicher zu gehen, dass ich auch nicht mal wieder was liegen lassen hab. Das wichtigste sind die Tickets, sonst kann ich gleich wieder heimfahren. Aber deshalb habe ich ja jetzt schon gepackt, auch wenn es etwas komisch klingt, aber dann kann ich immer wieder alles durchgehen und vielleicht fällt mir ja dann doch noch was Wichtiges ein. Was schon mal sehr gut ist, ich habe keine Verstauungsprobleme. Ich bekomme alles rein und hab noch Platz und noch Sachen von Carsten mit im Gepäck. Das heißt ich kann mir da unten sogar noch was kaufen und es passt rein. Das nenn ich mal Logistik! Alles schön in Tütchen verpackt, damit wenn’s regnen sollte alle meine Sachen trocken bleiben und wirklich alles Überlebenswichtige ist mit von der Partie. Angefangen von Zahnbürste, über Taschenlampe bis hin zum Nähgarn. Ich weiß zwar noch nicht für was ich das brauche, denn ich kann nicht nähen, aber man fühlt sich sicherer, wenn man es dabei hat. Meine Freundin hat mich schon gefragt, ob ich nicht noch Häkelzeugs mitnehmen möchte, um am Strand Topflappen anzufertigen. Haha. Ich verrate euch später, was ich alles von meinem Überlebensschnickschnack gebraucht habe und was wirklich nur dabei war, dass es auch mal was zu erzählen hat. An Kleidung nehme ich nur sage und schreibe fünf T-Shirts, vier Hosen und eine langärmlige Weste mit. Da zu entscheiden was man nun letztendlich mit nimmt und was nicht und ob das wirklich reicht ist echt schwierig. Denn ich kann mich oftmals einfach nicht entscheiden was ich nun tragen möchte und was gerade zu meiner Laune passt. Aber gut man wird sehen. Und waschen darf ich die Klamotten mit einem Tubenwaschmittel von Hand. Hab ich zwar noch nie gemacht, aber lauf Gebrauchsanweisung dürfte das sogar ich hinbekommen.
Ach ja die Warterei ist ätzend. Ich will jetzt meinen Schatz in die Arme nehmen und Asien erobern. Denn ich bin jetzt bestens gewappnet. Ich habe mich auf alle Eventualitäten vorbereitet. Sei es eine Hängebrücke über einem reißenden Fluss mitten im Dschungel, für mich kein Ding, hab ja das Klettern und die Höhe trainiert. Tiere jeglicher Art, na ja bis auf vielleicht Kakerlaken, machen mir doch nichts, denn ich habe den Kontakt zu den ganz Wilden gesucht und mir eine Schlange um den Hals schlängeln lassen. Eine Gelbliche Namens Rosi. Mir persönlich würde ja der Name Zitrana besser gefallen, weil es zu ihrer Farbe passt und ihr etwas Edles verleiht. Eine ganz Süße war das. Ich habe zwar keine Luft mehr bekommen, nicht dass sie mir die Kehle zugedrückt hat, es war eher etwas Innerliches, was mir die Luft zum Atmen nahm. Aber gut ich habe mich mal wieder an meinen Vorsatz der Angstbekämpfung gehalten und mich den Herausforderungen gestellt. Man wird der Carsten stolz auf mich sein. Was ich alles geschafft habe in diesem halben Jahr.
Das einzige was ich jetzt noch dringend und auch wirklich erledigen sollte, wäre meinen blöden Bericht fertig zu stellen. Immerhin bin ich jetzt schon auf Seite siebzehn und es ist ein Ende in sicht, aber für mich gerade unmöglich an ihm weiter zu schreiben. Ich habe mir aber vorgenommen noch zwei Tage fleißig daran zu arbeiten, um ihn endlich abschicken zu können, damit ich ruhigen Gewissens das Land verlassen kann. Aber ich hatte in den letzten Tagen auch kaum Zeit. Hab nämlich meine Katze und meinen Hamster ins Kurhotel „Mama“ gefahren und wollte einfach einen leichteren Übergang schaffen, in dem ich noch mit da war. Und ich muss sagen, es hat alles besser geklappt wie geplant. Also ist nun noch eine weitere Sorge aus dem Sinn, denn die zwei Lieben sind bestens untergebracht. Aber ich muss mir wohl noch was einfallen lassen, als Dankeschön für die Versorgung und den Stress mit den Rabauken.
Es tat richtig gut meinen Mitbewohner ein paar Tage nicht zu sehen und nicht zu hören. Jetzt sitzt er wieder im Nebenzimmer und hat die Glotze laufen, was sonst. Dazu ein Bier am Start und die Beine schön hochgelegt, wie ich es nicht anders gewöhnt bin. Es läuft Fußball, wie man durch die ganze Bude in voller Beschallung hören kann. Ich denke er hört schlecht, denn warum sonst sollte man die Lautstärke auf volle Kanne haben. Aber was der kann, kann ich schon längst. Ich werde jetzt die Musik einschalten und etwas den Klängen Jack Johnsons lauschen und von Strand, Meer und einer wunderschönen Zeit in Fernost träumen…
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